Patricia Highsmith – Ediths Tagebuch

Die amerikanische Autorin Patricia Highsmith erzählt die Geschichte einer Durchschnittsfrau, die an Enttäuschungen und Überforderungen psychisch zugrunde geht. Aber Edith zerbricht nicht eigentlich an all den Belastungen selbst, sondern mehr an ihrer Anstrengung, diese Schwierigkeiten immerzu frohgemut zu akzeptieren und ihre Enttäuschungen verbergen. Sie flieht aus der bedrückenden Realität in rosige Fiktionen: In ihrem Tagebuch spinnt sie eine private heile Gegenwelt aus, erfindet für ihren Versager-Sohn eine glänzende Berufskarriere, eine hübsche Frau und reizende Kinder.

Wie die Highsmith das Unheil ganz langsam wachsen läßt, wie sie Vorzeichen der kommenden Katastrophe fein dosiert, zunächst fast versteckt, verändert sich auch schleichend und anfangs kaum merklich die Typografie. Je stärker Edith ihrem Wahn verfällt, je mehr Raum ihre Traumwelt einnimmt, bis für sie die Grenzen zwischen Wunschtraum und Realität nicht mehr wahrnehmbar sind, desto blasser werden die Buchstaben und heraus tritt langsam ihr Inneres, die Punzen.

Semesterarbeit, 2016